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Virologische Krankheiten

Geflügelpest: Warum werden alle Tiere getötet?

In vielen Regionen in Deutschland besteht grade wieder die Aufstallpflicht, von der auch Hobbyhaltungen betroffen sind. Der Grund dafür sind Geflügelpestausbrüche bei Wildvögeln und auch in Geflügelhaltungen. Infizierte Tiere müssen nach Geflügelpest-Verordnung sofort getötet und unschädlich beseitigt werden. Vermutlich findest du diese Maßnahmen sehr drastisch. Ich werde in den folgenden Absätzen erläutern, warum es momentan keine Alternative zu diesem Vorgehen gibt.

Virusinfektion

Bei Geflügelpest (Aviäre Influenza) handelt es sich um eine Virusinfektion, die zu einer Sterblichkeit von bis zu 100 % bei den betroffenen Tieren führen kann und nicht behandelbar ist. Somit kannst du den Erreger also nicht durch eine Arzneimittelgabe aus dem Bestand eliminieren, wie es bei einigen durch Bakterien und Parasiten verursachten Krankheiten möglich ist.

Hochgradig ansteckend

Die Geflügelpest ist eine der ansteckendsten Geflügelkrankheiten und infizierte Tiere scheiden über den Atemtrakt und über den Kot große Mengen an Viren aus. Von diesen Tieren geht daher eine große Gefahr für andere Haltungen aus. Die Übertragung kann dabei unter anderem durch Personen, Wildvögel, Fahrzeuge, Geflügelmist, Geräte und vermutlich auch durch den Wind erfolgen.

Gefahr für den Menschen

Aviäre Influenzaviren können auch Menschen infizieren und führen dort selten zu Atemwegsinfektionen. Bei Infektion mit bestimmten Aviären Influenzaviren (H7N9) kann es aber auch zu schweren Krankheitsverläufen kommen, die mit einer hohen Sterblichkeit bei den infizierten Menschen von ca. 40 % einhergehen. Bisher wurden diese Infektionen nur im asiatischen Raum beobachtet. Außerdem besteht die Gefahr, dass es bei Doppelinfektionen von Menschen mit dem humanen Influenzavirus (Grippevirus) und dem aviären Influenzavirus zu dem Austausch von genetischen Elementen zwischen den Viren kommt. Influenzaviren haben (im Gegensatz z. B. zum Newcastle Disease Virus) ein segmentiertes Genom und bei dem Austausch von einzelnen Elementen kann das entsprechende Virus neue Eigenschaften erwerben, die es unter Umständen wesentlich gefährlicher machen kann.

Impfungen sind bisher keine Option

Impfungen gegen Geflügelpest sind in Deutschland, abgesehen von wenigen Ausnahmen (Zoologische Gärten, Erhaltung von seltenen Rassen), verboten. Hauptgrund ist, dass Impfungen Geflügel bisher nur vor klinischen Symptomen schützen, nicht aber vor der Infektion und der Ausscheidung der Influenzaviren. Dies könnte möglicherweise zu einer unkontrollierten Verbreitung des Erregers führen, mit großen Risiken für ungeimpfte Tiere und auch, wie oben geschildert, für den Menschen. Daher wird weltweit meist nur in Ländern geimpft, die eine schlechte tierärztliche Infrastruktur haben und in denen das Geflügelpestvirus anders nicht zurückzudrängen ist. Aber auch diese Länder sollten bisher eine Exit-Strategie haben, wie sie aus der Impfung wieder aussteigen können. Allerdings kann auch nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass es auch in Deutschland zu einer Neubewertung der Impfung kommen könnte, beispielsweise wenn neue Impfstoffe zur Verfügung stehen oder wenn das Virus über längere Zeit nicht mehr verschwinden (endemisch) würde.

Handelsrestriktionen

Während Geflügelpestausbrüchen kommt es regelmäßig zu Einschränkungen im Handel mit Tieren und Eiern, teilweise auch, wenn dieser rechtlich noch möglich wäre. Im Falle eines deutschen Alleingangs hinsichtlich einer Geflügelpestimpfung würde sich das Risiko erhöhen, dass diese Handelsrestriktionen dauerhaft bestehen bleiben. Dies wäre sehr problematisch für die deutsche Geflügelproduktion, die international stark vernetzt ist und wichtige Lebensmittel für die Verbraucher produziert.

Die Geflügelpest ist sicherlich die bedeutendste Geflügelkrankheit überhaupt und ich wünsche dir, dass du und dein Geflügel davon verschont bleibt. Leider gibt es momentan keine andere Option, als die Geflügelbestände in Deutschland so gut wie möglich vor der Einschleppung des Virus zu schützen und betroffene Tiere zum Schutz vor einer Weiterverbreitung möglichst schnell zu töten.

Foto: Pixabay

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